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Wie Führungskräfte zu Spitzensportlern werden

Überall dort, wo Führungsnachwuchs oder gestandene Führungskräfte gesucht werden, sind die Anforderungen an diese Menschen drastisch gestiegen. Für erstklassiges Management brauchen wir hohe Sozialkompetenz, exzellente Ausbildung, akademisches Wissen gepaart mit praktischer Expertise. Diese Kombination ist auf Managementebene zunehmend gefragt.

Führen wird immer mehr zum Hochleistungssport. Führungskräfte werden in Zukunft nicht allein daran gemessen, wie oft sie „an der Front“ sind und ob sie sich nicht zu schade sind, überall im Betrieb mit anzupacken, sondern vielmehr daran, welche wirtschaftlichen Ergebnisse sie für den Betrieb erbringen. Sie werden sich mit dem rasanten Wandel der Marktverhältnisse auseinandersetzen und dafür Lösungen entwickeln müssen. Analytische und strategische Kompetenzen sind mehr denn je gefragt. Kein Wunder, dass das Angebot an universitären Studiengängen, Berufsakademien etc. inzwischen fast unüberschaubar geworden ist. Die internationale Industrie versucht längst, ihre Leistungsträger mit MBA-Programmen fit zu machen. Mehr noch: Personalberater stellen bei vielen Rekrutierungsmandaten auf Managementebene fest, dass akademische Weihen von weltweitem Standard inzwischen zu einem „Must have“ in den Anforderungsprofilen von Führungspositionen geworden sind. Doch das allein wird in Zukunft nicht ausreichen.

Keine Kompromisse bei der Führungskompetenz

Vor dem Hintergrund des aktuellen Fachkräftemangels gewinnen vor allem die Anforderungen an Führungs- und Sozialkompetenzen an Bedeutung. Motivations-, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit bestimmen neben Fachwissen die Anforderungsprofile. Unternehmen, die hier trotz aller Knappheit an guten Leuten Kompromisse eingehen, erweisen sich einen Bärendienst. Der demografische Wandel bringt noch eine zusätzliche Herausforderung bei der Rekrutierung oder Beförderung junger Chefs: Der Führungsnachwuchs steht erstmals in der Geschichte der Menschheit vor der Aufgabe, Teams führen zu müssen, die größtenteils erheblich älter sind als die neuen Chefs selbst, ja eventuell sogar genauso alt wie ihre eigenen Eltern. Früher waren die Häuptlinge die alten weisen Männer, die ihr Wissen an die Jungen weitergaben. Früher führte der Stammeshäuptling, der Chef, in der Regel mit seiner Seniorität, denn er war älter und erfahrener als seine Mitarbeiter. Der Macher von gestern trieb früher alles voran. Mitarbeiter schlüpften bei ihm unter. Das Motto lautete: Der Macher sorgt für dich. Dafür widmest du ihm und der Firma dein Leben.

Führen in Zeiten des Speed Managements funktioniert aber anders. Sind die jungen Führungskräfte darauf vorbereitet? Wie werden sie die Akzeptanz ihrer im Durchschnitt älteren Teams gewinnen? Um das entsprechende Talent und die Führungskompetenz bei jungen Nachwuchsleuten herauszufinden und zu entwickeln, suchen Betriebe zunehmend die Unterstützung von Experten, die über spezielle Auswahlverfahren verfügen. So konzentrieren sich z.B. Personalberater auf die Analyse von emotionaler Intelligenz, Empathie, strukturiertem Denken, strategischen Fähigkeiten und auf das Entwicklungspotenzial eines Kandidaten statt auf die Frage nach Diplomen oder: „Was hat sie/er bisher schon fachlich bewegt?“ Echtes Talent-Management gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dort wo zwar fachliches Know-how vorhanden, aber Soft Skills entwickelt werden müssen, helfen in der Regel keine Führungsseminare. Nachweislich ist eine Verhaltensänderung damit nachhaltig nicht zu erreichen. Daher setzen Unternehmen immer mehr auf die Begleitung durch einen erfahrenen Management Coach. Er ist kompetenter und diskreter Ratgeber für die persönliche Entwicklung. Er kennt den Arbeitsmarkt, die Anforderungen der Unternehmen und nicht zuletzt – die Erwartungen der zu führenden Mitarbeiter an ihre Chefs. Das mehrstufige Coaching ist abgestimmt auf den individuellen Bedarf, die Qualifikation und Talente.

Für Hochleistungssportler selbstverständlich

Spitzensportler machen es seit Jahren vor, aber auch zielorientierte Top Manager entdecken inzwischen professionelles Management Coaching für sich. Dabei profitieren Unternehmen und Führungskraft gleichermaßen: Mit hoher Fach- und Führungskompetenz, frischen Fragestellungen, konstruktivem Feedback und Betreuung auf dem Weg zu neuen Zielen hilft der Coach bei der persönlichen Standortbestimmung. Wo erforderlich gibt er Denkanstöße zur nachhaltigen Verhaltensänderung. Er sensibilisiert Empathie, Selbstreflexion und Zielorientierung der betroffenen Führungskraft. Kurz: Ohne erhobenen Zeigefinger liefert er Hilfe zur Selbsthilfe.

Unternehmen müssen umdenken

In weiten Teilen der Wirtschaft ist es noch Usus, dass gute Fachleute allzu leichtfertig zu Chefs gemacht werden. „Er ist fachlich gut, also kann er auch führen“. Dabei hat das eine nichts mit dem anderen zu tun. Hier müssen auch Unternehmen umdenken: Ein guter Maschinist ist noch lange kein guter Kapitän. Führen will gelernt sein und sollte nicht nach Intuition „ausprobiert“ werden. Dafür ist das wichtigste Kapital des Betriebes – die Mitarbeiter – zu kostbar.

Während alle Welt darüber jammert, wie schwer es ist, qualifizierte Fach- und Führungskräfte zu finden, empfiehlt sich ein anderer Denkansatz: Wenn es denn schon fast aussichtslos ist, neue Mitarbeiter zu finden, sollte der Fokus vielmehr darauf gerichtet sein, die Führungskompetenz der Chefs zu steigern. Zahlreiche Studien belegen: Ist die Führung gut, steigt die Produktivität des Unternehmens.

Die gute Nachricht am Schluss: Gute Führung ist erlernbar. Die Investition in die Führungskompetenz des Chefs und in die des Führungsnachwuchses hat schon manchem Unternehmen Rückenwind gebracht. Daher sind Betriebe gut beraten, speziell in die Leadership-Kompetenz ihres Führungsteams durch gezieltes Management Coaching zu investieren. Sie kommt letztlich der gesamten Organisation zugute.

Gabriele v. Bonin
Geschäftsführende Gesellschafterin der VON BONIN Personalberatung und langjähriger Management Coach

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