Die Krise ist da und mit ihr die Angst um den Job. Wer sich auf den „worst case“ gut vorbereitet, hat nichts zu befürchten. Hier ein paar nützliche Tipps.
Nicht nur Autohersteller denken in diesen Tagen über Stellenstreichungen nach. In fast allen Branchen existieren Sparpläne. Und schneller, als es vielleicht der eine oder andere denkt, wird es Kündigungen geben. „Der Letzte macht das Licht aus“, war neulich in XING zu lesen. Und: „Die Geier kreisen schon“. Die Internetforen sind voll von mehr oder weniger makaberen Statements.
Was kann man tun, um in der Krise nicht den Job zu verlieren? Mancher rät, der Entlassung selbst durch eigene Kündigung zuvor zu kommen. Eine eher kampf- als schmerzlose Möglichkeit. Doch diese Notlösung ist nur dann zu empfehlen, wenn Sie ohnehin vorhatten, das Unternehmen zu verlassen und jetzt nur noch die Abfindung kassieren wollen. Seien Sie allerdings darauf vorbereitet: einen neuen Job zu finden, wird in der nächsten Zeit nicht einfacher sein als den alten zu behalten.
Persönliche Standortbestimmung
Will man es richtig machen, gilt zunächst, die eigene Situation präzise (sprich: objektiv) einzuschätzen. Dabei kann der VON BONIN Selbsttest (download hier anfordern) ein nützlicher Helfer sein. Wie sicher ist mein Arbeitsplatz? Was ist eigentlich mein Produktivnutzen für den Betrieb? Welchen Stellenwert genieße ich? Bin ich in alle wichtigen Kommunikationsabläufe eingebunden? Zeigt sich die Situation wirklich brenzlich, muss sofort gehandelt werden. Allzu oft beobachten wir bei Menschen, denen der Jobverlust droht, das so genannte Titanic-Syndrom: Obwohl das Schiff schon in Schräglage ist, glauben sie nicht an den Untergang und wollen das Schiff nicht verlassen. Danach kommt die Solidaritätsphase. Die Mitarbeiter glauben, gemeinsam können sie es schaffen, die Krise zu überstehen. Doch sobald der Chef das Wort „Personalabbau“ in den Mund nimmt, ist es vorbei damit. Dann beginnt die Konkurrenzphase. Und wenn die losgeht, sollte jeder, der bleiben will, sich geschickt verhalten, um Kollegen - Mobbing und andere Tiraden auf die eigene Integrität gut abwehren zu können.
Kämpfen Sie
Jetzt gilt es, nicht den Kopf in den Sand zu stecken und zu hoffen, dass der Kelch schon an einem vorüber gehen wird. Wenn Ihnen Ihr Job oder Ihr Arbeitgeber etwas wert ist, sollten Sie jetzt kämpfen. Jedes Unternehmen sucht in Krisenzeiten Leute mit Tatkraft und Ideen, um das nächste Jahr zu überstehen. Wer sich da mit Eigeninitiative zu Wort meldet, hat bessere Karten, als demotivierte zitternde Jammerlappen. Der eine entwickelt eine innovative Sparideen, um Kosten drastisch zu senken. Der andere präsentiert einen Vorschlag, wie man die Produktivität der Abteilung oder gar des Unternehmens steigern kann. Und wieder ein anderer kommt eben freiwillig für einige Zeit eine Stunde früher, um schon die Dinge abzuarbeiten, die er ungestört und konzentriert erledigen will (ohne dafür gleich Überstunden zu notieren). Ganz Geschickte sorgen natürlich dafür, dass der Chef dieses außergewöhnliche Engagement auch tatsächlich wahrnimmt. Sie wissen, Engagement, das er nicht bemerkt und über Selbstverständlichkeiten wie Zuverlässigkeit und Fleiß nicht hinausgeht, nützt wenig. Vielmehr finden sie heraus, wer im Unternehmen letztlich darüber entscheidet, wer gekündigt wird und wer nicht. Dort versuchen sie herauszufinden, was der Personalentscheider unter „guter Leistung“ versteht.
Motivation und Fachwissen, schätzt jeder Chef. Allerdings wissen die meisten Vorgesetzten durchaus zu unterscheiden, ob ein Mitarbeiter nur nach dem Motto Leistung zeigt: „Achtung der Chef kommt! It’s showtime!“ Sie entlarven Zeitgenossen schnell, wenn sie nur nach dem Grundsatz arbeiten: „Alles für den Chef – aber nur wenn er hinschaut“. Und Überstunden? Die lassen sich schon vor der Krise oft nicht vermeiden. Damit wird also niemand unverzichtbar. Wer aber Extraschichten nutzt, um Ideen zu entwickeln, wie man das Unternehmen voranbringen kann – auch gemeinsam mit Kollegen – der kann sich besser in Stellung bringen. Aber Vorsicht: wer sich auf diese Weise profilieren will, sollte sich vorher überlegen, wie viel Freizeit er hier zu opfern bereit ist. Eine Zusatzaufgabe zu übernehmen und den fleißigen Kollegen zu mimen, um nach einiger Zeit festzustellen, dass einem alles über den Kopf wächst, könnte zum Schuss nach hinten ausarten. Wer Fleiß demonstrieren will, sollte auch Ergebnisse vorweisen können.
Wachsam sein
In Krisensituationen gilt es wachsam zu sein. Wer regelmäßig die Branche seines Arbeitgebers analysiert („Wie geht es anderen?“ „Ist unsere Leistung austauschbar?“ „Tobt eine Preisschlacht?“ etc), erkennt schnell, wie es um die Zukunft seines Arbeitsplatzes bestellt ist. Sprechen Sie regelmäßig mit Ihrem Vorgesetzten über die aktuelle Situation. Finden Sie heraus, welche Probleme er derzeit zu bewältigen hat. Und wie wichtig Sie für ihn, für das Unternehmen sind. Kommunizieren Sie offen und konstruktiv. In der Krise werden keine Problematisierer gebraucht, sondern Problemlöser. Machen Sie sich nützlich. Schließlich sitzen Sie alle im gleichen Boot. Warum also nicht gemeinsam in die gleiche Richtung rudern?
* Die Autorin ist seit 30 Jahren Geschäftsführende Gesellschafterin der VON BONIN Personalberatung
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