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X-tra - Presse

Vom Maschinist zum Kapitän

Die Anforderungen an das Management der internationalen Hotellerie werden immer komplexer. Diese Erkenntnis geht inzwischen selbst an den standhaftesten Verfechtern des ausschließlich handwerklich geprägten Ausbildungsweges nicht mehr vorbei.

Wer in der internationalen Hospitality Industry erfolgreich sein will, muss mehr für seine Bildung tun, als dies bisher branchenüblich war. Akademisches Managementwissen ist zunehmend gefragt. Während früher ein guter Hoteldirektor landauf landab allein daran gemessen wurde, wie oft er „am Gast“ und ob er sich nicht zu schade ist, im Service mit anzupacken oder Blaumann und Gummistiefel überzustreifen, um im Keller die Heizung zu reparieren, so haben sich heute die Anforderungen erheblich gewandelt. Führungskräfte müssen sich mit dem rasanten Wandel der Verhältnisse im Hotelmarkt auseinandersetzen. Wer dafür nicht bestens ausgebildet und vorbereitet ist, wird es künftig schwer haben auf seinem Karriereweg. Lebenslanges Lernen und gezielte Weiterbildung fördern geistige Flexibilität, eröffnen neue Horizonte und Kontakte. Sie regen an, über den Tellerrand zu schauen, sich für neue Technologien, Märkte, Trends zu interessieren. Und das, genau das, wird von Führungskräften in Zukunft mehr erwartet denn je. Kein Wunder, dass die internationale Markenhotellerie längst begonnen hat, ihre Leistungsträger mit eigenen MBA Programmen fit zu machen. Accor tut es, Kempinski tut es, Steigenberger, Starwood und viele anderen tun es auch. Mehr noch: Bei vielen Rekrutierungen neuer Manager sind akademische Weihen von weltweitem Standard zu einem „Must“ in den Anforderungsprofilen geworden. BA und MBA Programme bieten inzwischen alle namhaften Hotelgesellschaften in Kooperation mit internationalen Business Schools oder Universitäten an – einerseits mit dem Ziel, die eigenen Leute weiter zu qualifizieren und zu binden. Andererseits, um auch externe High Performer für die Gesellschaft zu identifizieren. Nicht zuletzt bringen sich die Konzerne damit bei Verhandlungen mit internationalen Hotelinvestoren in eine stärkere Position als potentieller Hotelbetreiber, wenn sie garantieren können, dass ihre Führungskräfte einen international anerkannten akademischen Abschluss absolviert haben.

Das eine tun ohne das andere zu lassen
Bleibt die Frage: Werden akademische Abschlüsse zum Standard in der Hotellerie? Müssen wir womöglich eine Zweiklassengesellschaft im Gastgewerbe befürchten? Hier die Akademiker, dort die Praktiker? Mit Sicherheit nicht. Ohne Praxis geht es meiner Meinung nach in der Hotellerie nun mal nicht. Auch das beste Diplom in der Tasche erspart nicht die harte Knochentour der Praxis, den Umgang mit dem Gast, das Verinnerlichen der operativen Prozesse im Betrieb. Aber wer seine Chancen auf dem Weg an die Spitze verbessern will, braucht künftig zusätzlich den international gültigen akademischen Abschluss in „Allgemeiner Unternehmensführung“. Kandidaten, die die entsprechenden Studienprogramme absolviert haben, erfüllen genau die Anforderungen, die Personalentscheider mit dem Schlagwort vom lebenslangen Lernen stets fordern: Sie geben ihrer Karriere eine ganz neue Richtung. Sie qualifizieren sich weiter und sammeln internationale Erfahrung. Kurz: Sie verändern sich im Kopf vom „Maschinisten“ zum „Kapitän“. Insbesondere Absolventen von interdisziplinären Studienprogrammen stellen hinterher fest, „dass bei mir ein Knoten geplatzt ist“. Im Gegensatz zu fachspezifischen Studiengängen, wie sie in der Hotellerie häufig angeboten werden, treffen hier Kommilitonen aller Nationalitäten und Branchen zusammen, um nicht nur miteinander, sondern auch von einander zu lernen. Da sitzen Studenten aus dem Maschinenbau, der Medizintechnik, der Markenartikelindustrie, der Immobilienwirtschaft ebenso nebeneinander in den Arbeitsgruppen und Lehrveranstaltungen wie Studenten aus der Hotellerie oder Touristik. Gemeinsam lösen sie Aufgabenstellungen, entwickeln Konzepte, Business Pläne. Sie lernen, über den Tellerrand zu schauen – etwas, was die klassische Praxisausbildung in der Hotellerie oft vermissen lässt. Sie stellen fest, dass andere Branchen ähnliche Probleme haben wie ihre eigene und lernen, sie gemeinsam zu lösen. Sie lernen strategisch, strukturiert, systematisch, planerisch und konzeptionell zu arbeiten – etwas, was der „handwerklichen“ Ausbildung weitgehend fehlt. Horizonterweiterung ist die Folge.

Schwimmen im großen Fluss
Akademische Managementausbildung hat zwar hierzulande in der Hotellerie keine so lange Tradition wie im Ausland, aber die Akademisierung in den Chefetagen schreitet voran. Auch wenn sie im Vergleich zu anderen Branchen weit zurückliegt. Die Zahl der Absolventen in der Hotellerie steigt erfreulicherweise. Seit die ersten akademischen Titel die Visitenkarten von Hotelmanagern zierten, ist auch bei uns inzwischen der Lerneifer ausgebrochen. Waren es vor drei Jahren noch einige wenige Führungskräfte, die sich das schweißtreibende „Upgrade für den Kopf“ (oft nebenberuflich unter Verzicht auf Urlaub und Freizeit) erarbeiteten, sind es inzwischen einige hundert Hoteliers. Sie haben sich Benjamin Brittens Worte zu Herzen genommen: „ Lernen ist wie Schwimmen im großen Fluss. Wer aufhört, fällt zurück“. Branchen übergreifend betrachtet liegt das Gastgewerbe dennoch weit hinter anderen Wirtschaftbranchen zurück. Hier stieg allein die Zahl der MBA Absolventen in den letzten zehn Jahren auf über 70.000 (2008) in Deutschland. Gleichzeitig finden sich in den internationalen Stellenausschreibungen für Spitzenkräfte der Hotellerie zunehmend Formulierungen wie „MBA preferred“ oder MBA desirable“. Personalentscheider haben den Wert dieser Abschlüsse schätzen gelernt. „Diese Leute verfügen einfach über mehr strategisches, konzeptionelles und strukturiertes Denkvermögen und Managementkompetenz, beherrschen moderne Führung und haben ein tieferes betriebswirtschaftliches Wissen“, bestätigen inzwischen viele Personalentscheider der Markenhotellerie. Neuesten Schätzungen zufolge dürften inzwischen etwa 5 Prozent der deutschen Hoteldirektoren einen MBA Abschluss absolviert haben – Tendenz steigend. Wir rechnen damit, dass die Quote in etwa zehn Jahren bei 40 % liegen wird. So wundert es nicht, dass Experten General Manager Karrieren ohne MBA Abschluss im Jahr 2020 in der Markenhotellerie nicht mehr für zukunftsfähig halten.

Managementausbildung ein Muss
Zugegeben: Der Anteil an der Markenhotellerie in Deutschland beträgt nur etwa 10 Prozent. Ob der Inhaber eines 80 Zimmer Privathotels unbedingt einen akademischen Abschluss benötigt, soll hier nicht diskutiert werden. Diese Hotelchefs können die in Zukunft erforderlichen Fähigkeiten zusätzlich zu dem bisher Erlernten auch in nebenberuflichen Seminaren erwerben. Aber: „Eine Managementausbildung von internationalem Standard ist für die nachwachsende Generation in den Führungspositionen unserer Wirtschaft ein absolutes Muss, wenn wir unsere Stellung im weltweiten Wettbewerb behaupten oder gar ausbauen wollen“. Das schrieb Otto Graf Lambsdorff, ehemaliger Wirtschaftsminister, bereits 1989 in einem seiner Bücher. Diese Einschätzung hat auch nach seinem Tod in diesem Jahr an Aktualität bis heute nichts verloren. Im Gegenteil: Sie gewinnt an Bedeutung. Denn eines steht fest: Das Wissen der Menschheit wächst schneller als jemals zuvor. Die Entwicklung der Kommunikationstechnologie erschließt neue Möglichkeiten der Informationsvermittlung. Gleichzeitig wächst auch die Fülle an Informationen. Deren Nutzung erfordert eine neue Form des Lernens, mehr strategisches Know-how und Managementkompetenz. Wer das nicht erkennt, wird morgen im Business nicht mehr mithalten können.

Hier entsteht eine Herkulesaufgabe für die Unternehmen und ihre Personalentwicklungsabteilungen. An die Stelle von Trainings nach dem Gießkannenprinzip tritt künftig gezieltes Talentmanagement. Das bedeutet, junge förderungswürdige High Performer zu identifizieren, individuelle, stärkenbezogene Karriereplanung zu gestalten und gezielte Managementausbildung zu fördern. Ein Beispiel: Aus langjähriger Erfahrung im Markt für Führungskräfte wissen wir, dass sich immer mehr junge, ambitionierte Leistungsträger für BA und MBA Studien interessieren. Selten stehen ihnen jedoch die beträchtlichen finanziellen Mittel dafür zur Verfügung. Hier setzte der im 30sten Jubiläumsjahr der VON BONIN Personalberatung initiierte Wettbewerb „Career of the Year 2008“ ein deutliches Zeichen in der Branche. Herausragende Talente der deutschen Hospitality Industry und aus deren Zulieferbranchen konnten als Sieger des VON BONIN Awards attraktive Stipendien im Gesamtwert von € 20.000 für ihre Weiterbildung auf dem Weg ins Management gewinnen. Von diesen Stipendien profitierten nicht nur die Wettbewerbsteilnehmer, sondern jeweils die Betriebe, ja die gesamte Branche - durch die hochkarätige Weiterbildung der jungen Leistungsträger.

Es bedarf keiner hellseherischen Kompetenzen, um die Entwicklungen der Zukunft vorauszusehen. Unternehmen, die ihrem Führungsnachwuchs nicht mit hochkarätigen Bildungsangeboten den Weg ins Management eröffnen, werden es schwer haben, echte Leistungsträger an sich zu binden. Mehr und mehr junge Manager mit internationaler Managementausbildung werden in den nächsten Jahren in die Chefetagen der Betriebe drängen, die die Zeichen der Zeit erkannt haben. Sie werden den MBA in der Hotellerie Deutschlands so begehrt machen wie in den USA. Der MBA kann damit als der erfolgreichste und viel versprechendste Graduate Degree bezeichnet werden.

Wenn nun die Mitarbeiter der Hotelindustrie zunehmend über internationale Abschlüsse verfügen, wird das nicht zur Abwanderung in Branchen mit besseren Verdienstchancen führen? Sicher - die Gefahr besteht. Aber wenn die Unternehmen der Hospitality Industry begreifen, dass marktfähige Gehälter und professionelles Employer Branding bzw. Arbeitgeber-Marketing in Zukunft immer wichtiger werden, dann können sie die Abwanderung der Hoffnungsträger in andere Industrien verhindern.

Interessierte erfahren mehr darüber bei Albrecht v. Bonin unter Telefon 06051 - 48 28 0 oder eMail info@von-bonin.de.

Top hotel berichtete in Ausgabe 1-2/2010, hier zum download.

 

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Sabine van den Boom
Öffentlichkeitsarbeit

 

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