Inzwischen sind auch Manager im Zeitalter der Unsicherheit angekommen. Die aktuelle Finanzkrise trägt dazu bei, dass auch „gute Leute“ ihren Job verlieren. Der Umgang damit will gelernt sein.
Ausgelöst durch die Finanzkrise fordern Change-Programme, Prozessoptimierung und Restrukturierungen ihren Tribut. Kosteneinsparung scheint das Gebot der Stunde zu sein. Der Umbau von Unternehmen fordert mittlerweile Opfer. Dabei ist eines neu: In Krisenzeiten wird die Performance der Chefs viel kritischer hinterfragt als in wirtschaftlichen Blütezeiten. Die Treppe wird von oben gekehrt. Selbst hervorragende Ausbildung, jahrzehntelange Erfahrung, belegbare Erfolge schützen Manager heute nicht mehr vor einem frühzeitigen Aus. Doch Führungskräfte sind in der Regel schlecht darauf vorbereitet, wenn Kimme und Korn auf sie selbst gerichtet werden.
Betrachten Sie das Thema also rechtzeitig aus dem Blickwinkel der Prävention. Wenden Sie Ihre ganze Managementkompetenz für sich selbst an. Hadern Sie nicht mit dem Schicksal, mit den „schrecklichen Umständen“. Akzeptieren Sie gewisse Rahmenbedingungen, treffen Sie aber auch Ihre eigenen Entscheidungen. Lassen Sie sich nicht beirren, bringen Sie eigene Lösungsvorschläge ein, gehen Sie Ihren eigenen Weg. Selbstvertrauen lautet die Devise. Sie ist die Grundlage für Ihr erfolgreiches Bestehen in der unruhigen Arbeitswelt.
Das persönliche Sicherheitssystem
Wer sich jederzeit – sozusagen präventiv – der tragenden Säulen seines Lebens, der Bedeutung seines sozialen Umfeldes bewusst ist und über ein persönliches Risikomanagement verfügt, für den ist eine unverhoffte Kündigung keine Katastrophe. Je klarer man das Worst Case Szenario vordenkt, desto mehr verliert es seinen Schrecken. Sie kennen es aus Ihrem Managementalltag: Übersicht und Kalkulierbarkeit schaffen Sicherheit.
Familie oder Partnerschaft: Wer es nicht schafft, ihnen in seinem Managerleben den notwendigen Raum zu geben, der bringt sich selbst um seinen Rückzugsbereich und einen wichtigen Stabilisator. Erfolg macht zwar angeblich sexy, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Stress ist der Lustkiller Nummer eins. Zeit und Raum für Familie und Partnerschaft sind kein Luxus, sondern sichern Ihnen einen Rückzugsbereich.
Freunde: Die Qualität einer Freundschaft zeigt sich häufig erst in Krisenzeiten. Diejenigen, die sich nur in der Aura des Erfolgreichen sonnen wollen, werden sich in Ihrer Krise ganz schnell aus dem Staube machen. Pflegen Sie also Ihre Freundschaften. Echte Freunde „erden“ Sie, wenn Sie auf Ihrer Erfolgswelle abzuheben drohen und – sie fangen Sie in Krisenzeiten auf.
Freizeit: Ob man sie nutzt, um sich körperlich oder mental zu erholen oder beim Free Climbing den ultimativen Adrenalinstoß erleben will, hängt vom Charakter und Lebensgefühl ab. Wichtig ist nur, in der Freizeit für sich selbst etwas Sinnvolles zu tun. Ohne Pausen hart zu arbeiten sollte nicht zur Gewohnheit werden, denn die dauernde Beschäftigung mit immer den gleichen Themen und Problemen ermüden Körper, Geist und Seele. Gerade Führungskräfte betreiben oft Raubbau an ihrer Gesundheit und psychischen Leistungsfähigkeit. Behandeln Sie also Ihren Körper gut. Sie haben nur einen. Gesunde Ernährung, Fitness Training, Bewegung, Raum zum Reflektieren und Genießen sind Investments in Ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit.
Finanzen: Für die meisten Zeitgenossen ist ihre Arbeit die wichtigste Geldquelle (Omas Erbe mal ausgeschlossen) und daher für ihre Lebensgestaltung von großer Bedeutung. Eine intelligente Finanz– und Vermögensplanung berücksichtigt auch die Zeiten „ohne Job“ und Einnahmequelle. Und sie bezieht auch Ihre Familie oder Partnerschaft mit ein. Machen Sie Ihren Lieben ab und an mal bewusst, dass es im Leben auch Zeiten gibt, in denen nicht nur Milch und Honig fließen.
Ehrliche Selbstreflexion
Gerade jetzt ist Ihr Selbstbewusstsein gefordert. Doch dazu müssen Sie Ihr „Selbst“ genau kennen. Wer sind Sie? Was macht Sie als Person und als Führungskraft aus? Was sind Ihre Überzeugungen, Ziele, Gefühle, Bedürfnisse? Seien Sie ehrlich zu sich. Fragen Sie: Wo stehe ich? Wie sicher ist mein Job? Was sind meine Stärken und Fähigkeiten? Welche Chancen habe ich damit heute und in Zukunft? Wo liegt mein Lernbedarf?
Welche vorbeugenden Schritte kann ich tun, um mein persönliches Risikomanagement zu verbessern? Welche Strategien gibt es, um die Herausforderung der unfreiwilligen Trennung von Macht, Status und Gehalt kreativ zu meistern? Was kann ein Training für effektives Selbstmarketing bewirken? Worauf ist bei erneuter Jobsuche zu achten?
Permanentes Selbstmarketing
Bei der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle wird das persönliche Netzwerk zu einem bedeutenden Faktor. Damit es im Falle eines Falles funktioniert, muss substanzielle und dauerhafte Vorarbeit geleistet werden. Hier bewahrheitet sich das Motto: „Karrieremanagement ist immer – nicht erst, wenn Du einen Job suchst“. Fragen Sie sich: Warum sollte ausgerechnet jetzt ein Kollege, Geschäftspartner oder Headhunter etc. etwas für mich tun, den ich bisher nicht eines Blickes gewürdigt bzw. sträflich vernachlässigt habe? Gutes Netzwerkeln findet permanent statt. Beginnt man damit erst in einer persönlichen Notsituation, wird niemand ein Interesse daran haben, Ihnen zu helfen. Networking ist nie eine Einbahnstraße und erfordert während des gesamten Berufslebens regelmäßige Pflege von Kontakten. Dazu gehört: Machen Sie sich von Zeit zu Zeit auch mal nützlich für andere. Seien Sie hier und da mal Ratgeber, werfen Sie anderen einen Ball in den Garten. Sorgen Sie dafür, dass man in der Branche positiv über Sie spricht. Kümmern Sie sich rechtzeitig um gute Referenzgeber, die Ihren Leistungen Bestnoten erteilen.
Für gutes Selbstmanagement, ganz besonders bei der beruflichen Neuorientierung nach der Kündigung, gilt: Alle Möglichkeiten, Strategien, Quellen, die Hilfe versprechen, sollten angezapft und professionelle Beratungshilfe eingekauft werden. Denn bei beruflichen Fragen von Top Managern ist Professionalität das A und O. Für Spitzenpositionen gelten eigene Gesetze. Viele Wege, die für junge High Performer gelten – wie z.B. Job Makler, Job Börsen oder Internet Communities sind für gestandene Manager tabu. Hier zählen viel mehr Erfahrung, persönliche Netzwerke, Mentoren, Diskretion und Marktkenntnis. So zeigt die Beobachtung in Karriere Coachings, dass die Erfolgschancen der Kandidaten nach der objektiven Beratung erheblich größer sind. Sie nutzen das Know-how, die Ressourcen des Experten und vermeiden Fehler, die andere vor Ihnen gemacht haben.
Management ist Hochleistungssport
Was für Spitzenathleten zum Standard gehört, ist bei Führungskräften noch längst nicht die Regel. Für zielorientierte Manager geht es hier um eine Investition in ihre persönliche Zukunft. Karriere Coaching öffnet Schleusen, setzt Kräfte frei. Ist für sie Hilfe zur Selbsthilfe. Sie verlassen sich nicht nur auf Glück, Tüchtigkeit, Know-how oder das Wohlwollen ihrer Vorgesetzten. Sie wollen nicht darauf warten, von ihrem Arbeitgeber behandelt zu werden. Sie handeln selbst. Und das ist erfolgreiches Selbstmanagement.
* Der Autor ist seit 30 Jahren Geschäftsführender Gesellschafter der VON BONIN Personalberatung
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