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Müde Manager machen Murks

Aktuelle Studien belegen, warum besonders Führungskräfte genug Schlaf brauchen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Hochbegabte Manager, besonders häufig von Schlaflosigkeit geplagt, müssen sich da schon geniale Rezepte einfallen lassen.

Dass zu wenig Schlaf für schlechte Laune sorgt und die Leistung mindert, ist bekannt. Wissenschaftler der Uni Zürich (UZH) fanden nun heraus, dass zu wenig Schlaf auch die Risikobereitschaft fördert. Die Erkenntnis daraus: Vor allem Manager brauchen genügend Schlaf, um immer die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sonst kann es teuer werden.

Im täglichen Dialog mit Führungskräften erfährt der Personalberater oft mehr über sie als nur über ihren Manageralltag. Nicht selten begegnen mir im Coaching so ganz nebenbei sehr persönliche Bemerkungen – z.B. über Einschlafprobleme, Schlaflosigkeit, nächtliche Unruhe, häufiges Aufwachen. Der Kopf sei voll von Projekten, ungelösten Fragen, Zeitdruck und noch nicht erreichten Zielen. Erfolgsdruck und Speed Management rauben den Spielmachern offenbar den Schlaf. „Was machen Sie dagegen?“, will ich wissen: Die Antworten sind so vielfältig wie die Persönlichkeiten, die mir gegenübersitzen. Jeder dieser genialen Köpfe hat sein eigenes Rezept:

Aus lauter Verzweiflung hatte sich z.B. ein erfolgreicher GM mit Zen Medizin beschäftigt. Dabei lernte er: „Wenn ich nachts wach liege mit dem Gedanken, ich sollte jetzt einschlafen, damit ich morgen die Präsentation vor dem Vorstand super hinkriege, kann ich garantiert nicht einschlafen. Wenn ich dagegen denke: okay, ich liege wach, morgen früh bin ich nicht ausgeschlafen - dann ist es eben so. Was soll bei der Präsentation schon schiefgehen. So bin ich entspannter und habe die Chance, doch noch einzuschlafen.“ Andere bekämpfen ihre Schlaflosigkeit, indem sie aus dem Bett steigen, ein bisschen herumwandern oder Qi-Gong-Übungen machen. Ein mittelständischer Unternehmer mit über tausend Mitarbeitern berichtete, er werde regelrecht wütend während des Wachliegens. Sein Puls schlage höher und er verspüre einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Dann gehe er in den Garten und stapele Kaminholz. Danach sei er so erschöpft, dass er wieder einschlafen könne. Eine schlaflose Marketingchefin versuchte es erst mit Fernsehen im Schlafzimmer, stellte aber schnell fest, dass Berichte über Katastrophen oder aufregende Krimis sie eher aufrütteln. Allzu oft nervte auch das Smartphone auf dem Nachttisch. Um den Kopf frei zu bekommen von Umsatzdruck, Werbekampagnen, Budgets etc. verlässt sie nun das Bett, poliert Gläser in der Küche, bügelt Blusen oder sortiert alte Kleider aus. „Alles meditative Übungen, die mich einschläfern“, so ihre Erkenntnis. Der CEO eines Touristikkonzerns hatte irgendwann die nächtlichen TV Aufzeichnungen von endlosen Bahnfahrten als Einschlafhilfe entdeckt. „Und wenn das nichts nützt, schleiche ich mich ins Kinderzimmer meiner Vierjährigen und stehle heimlich ein einfaches Puzzle. Das hilft, den Kopf frei zu bekommen“. Der eingangs beschriebene Zen-GM verriet mir übrigens noch einen weiteren Trick gegen die Wachheit: Er bevorzugt indische Schriftzeichen. Natürlich kann er kein Indisch. Aber allein das Betrachten des scheinbar Nichtssagenden bringt ihn zurück in Morpheus Arme.

Den Gipfel der Kuriosität lieferte ein schlafloser Chef Controller, der vor dem Jahresabschluss nachts regelmäßig unter Strom stand. Sein Trick: „Gerade, weil ich nicht zur Eitelkeit neige, stelle ich mich vor den Badezimmerspiegel und schaue mir ins Gesicht – nicht mal eben so im Vorbeigehen, nein, richtig lange. Dabei zünde ich eine Kerze an. Das schummerige Licht und die Betrachtung meines eigenen Konterfeis empfinde ich als sehr ermüdend.“ Die Liste kurioser Tricks schlafloser Manager ließe sich endlos erweitern. Einige von ihnen lernen inzwischen im Coaching, wie man es schafft loszulassen, um nachts entspannt schlafen zu können. 

Übrigens: Das durchaus ernst gemeinte Experiment der Universität Zürich zeigte nicht nur, dass sich die Risikobereitschaft bei Schlaflosigkeit stark verändert, sondern auch das Bewusstsein dafür. Die Probanden hielten ihr Risikoverhalten für unverändert. Sie erkannten z.B. nicht, dass sie aufgrund ihres Schlafmangels bereit waren, bei den Testaufgaben sehr viel mehr Geld zu riskieren.

Das Fazit daraus: Besonders Menschen mit hoher Verantwortung sollten dafür sorgen, dass sie genügend Schlaf bekommen. Wenn Sie jetzt noch einen Rest von Wachheit spüren – oh, ich sehe, Sie schlafen schon. Hallo? Sie da! Na dann…. Glückliches Erwachen!

Albrecht v. Bonin
Mitgründer und Gesellschafter der VON BONIN Personalberatung und Inhaber der avb Management Consulting

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